Graue Schnauzen – unser Vierbeiner wird älter

Wenn ein Tier bei uns einzieht, dann denken wir im Allgemeinen noch nicht daran, wie es wohl sein wird, wenn unser neuer Mitbewohner in die Jahre kommt. Vorab kann ich schon mal sagen: es ist nicht viel anders, als wenn wir Menschen in die Jahre kommen und unsere mehr oder weniger kleinen Macken und Eigenarten perfektionieren. Wenn es hier und da plötzlich ziept, viele Dinge plötzlich zu schnell an einem vorbeigehen und sonst alltägliche Situationen nicht mehr so gut gemeistert, sondern auf einmal zu einer Herausforderung werden.

Unsere Vierbeiner versuchen, ihre Zipperlein so lange wie möglich zu verbergen. Hunde wollen plötzlich nicht mehr auf ‚Sitz‘ reagieren, weil ihnen die Knochen weh tun. Auch bei längeren Wanderungen oder wenn es bergauf geht, fallen sie zurück, fangen plötzlich vermehrt an zu schnuppern und so zu tun, als wäre alles andere interessanter, als das Laufen. Sie kommen nicht mehr so gut in das Auto oder wieder heraus, auch rennen und apportieren ist anstrengender.

Die Katzen haben plötzlich Probleme, auf das Sofa zu springen, manchmal rutschen sie auch ab und setzen sich dann auf den Boden um sich zu putzen und tun so, als hätten Sie sowieso nicht da hoch gewollt. Bei mehreren Hunden oder Katzen im Haus, wird unser Senior plötzlich abgedrängt und manchmal auch gemobbt.

Die Knochen und Gelenke können schmerzen, das Seh- und Hörvermögen lässt nach und auch mit der Orientierung hapert es manchmal.

Auf all das sollten wir achten und uns klar machen, dass unsere Grautiere jetzt noch mehr unsere Unterstützung brauchen. Einstiegshilfen für das Auto (am besten schon üben, so lange alles noch ok ist und wir ein Spiel daraus machen können), Aufstiegshilfen für die Katze, damit sie noch immer wann sie will zu uns auf das Sofa zum Kuscheln kommen kann.

Und das Wichtigste: wir sollten immer dafür Sorge tragen, dass wir unserem Tier seine Würde und sein Selbstvertrauen erhalten können. Es braucht jetzt jede Hilfestellung und diese sollte auch selbstverständlich gewährt werden, schließlich sind wir schon gemeinsam einen langen und schönen Weg gegangen. Wir können unserem ‚Grauchen‘ den Lebensabend erleichtern, wenn wir frühzeitig die Probleme erkennen. Wir können Tagesablauf, Ernährung, Haltungsbedingungen positiv anpassen und uns damit noch eine schöne gemeinsam Zeit schenken.

Sehr wütend und gleichzeitig traurig war ich, als ich zur Behandlung zu einem sehr alten Hund gerufen wurde, der sich fast nicht mehr bewegen konnte. Auf Nachfragen habe ich erfahren, dass sein Frauchen eine lange Bergwanderung mit ihm gemacht hat, ohne Rücksicht auf seinen Zustand zu nehmen. Auf meinen Vorschlag, mit dem Hund kürzere und ebene Strecken zu laufen, oder ihn auf beschwerliche Wanderungen nicht mehr mitzunehmen,  reagierte sie ausgesprochen verständnislos. Es müsste doch möglich sein, dem Tier etwas gegen die Schmerzen zu geben, sie würde ihn schon täglich mit verschiedenen pflanzlichen Mitteln versorgen, da könnte eines mehr ja wohl nicht schaden.

Unser Tier wird immer versuchen, mit uns Schritt zu halten, schliesslich möchte es ja mit uns zusammen sein. Aber mit solch einer Einstellung, schwächen wir sein Selbstbewußtsein und sein Lebensgefühl – von der Lebensenergie mal ganz zu schweigen.

In diesem Sinne: halten Sie die Fahne für Ihre graue Schnauze hoch, geben Sie Unterstützung, Hilfe und Respekt und vor allem: bleiben Sie ihm trotz aller Veränderungen in Liebe verbunden.

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