Die Zweitkatze

Immer wieder erzählen mir Tierhalter, dass sie das Gefühl haben, ihrer Einzelkatze wäre es langweilig und sie wäre nicht ausgelastet. Oder sie hatten schon immer 2 Katzen, die sich gut verstanden haben. Leider liegt es in der Natur der Dinge, dass uns irgendwann eines unserer Tiere verlässt und das andere genauso ‚verwaist‘ zurückbleibt wie wir selbst. Kummer und Trauer sind unendlich groß, während wir uns ablenken können, haben wir unserer nun Einzelkatze gegenüber ein schlechtes Gewissen.

Es muß nicht immer der Tod eines Haustieres sein, es können sich auch bei uns berufliche oder private Veränderungen ergeben und plötzlich kommt unsere Katze in Bezug auf Streicheleinheiten, Zuwendung oder schlichtweg gemeinsame Zeit zu kurz. Und dann steht die Überlegung im Raum, einer neuen zweiten Katze ein zu Hause zu schenken.

Im Prinzip ist das keine schlechte Idee, aber vielleicht gilt das auch nur für uns und unser Vierbeiner sieht das ganz anders aus seinen Katzenaugen. Katzen sind keine Freunde großer Veränderungen und manchmal blühen sie als Einzelkatzen auch richtig auf und genießen die Ruhe, dass es keinen Konkurrenten mehr gibt oder sie uns für sich alleine haben. Ich wünsche mir aufgrund der vielen Geschichten, die ich über mehr oder weniger erfolgreiche Katzen-Zusammenführungen gehört habe, bzw. bei denen ich um Hilfe und Unterstützung gebeten wurde, dass sich jeder Zweibeiner rechtzeitig vorher seine Gedanken macht: welche Katze passt zu meiner? Eher jünger, eher älter, will sie überhaupt ein neues Familienmitglied?

Es ist meistens nicht sehr erfolgreich, wenn wir zu unserer Seniorkatze ein kleines Katzenbaby ins Haus holen, das vor Energie und Aktivität nur so strotzt und nichts als Unsinn im Kopf hat – besser wäre es, eine dem Alter und dem Charakter entsprechende Katze mit aufzunehmen. Und wir sollten den Beiden denn auch genügend Zeit geben, sich aneinander zu gewöhnen. Dieser Prozeß kann sehr gut homöopathisch unterstützt werden. Wir wissen nie im Voraus, ob das gut geht oder nicht. Oft höre ich dann: das war eine super Entscheidung, die Beiden passen prima zusammen und jetzt geht es uns allen wieder besser. Es gibt aber auch die andere Seite: die ‚alte‘ und die neue Katze gewöhnen sich trotz aller Unterstützung eben nicht aneinander. Es gibt Gefauche und Geknurre, vielleicht fängt eine der Katzen in dieser Situation an, in der Wohnung zu markieren oder sich das Fell auszurupfen. Allerspätestens dann sollten wir uns dazu entschließen, für die neu dazugekommene Katze ein anderes, passenderes zu Hause zu suchen.

Stellen Sie sich vor, Sie müssen den Rest Ihres Lebens auf engstem Raum mit jemandem verbringen, den Sie nicht leiden können. Und Sie haben keine Chance, das zu änderen. Das ist ein Zustand, der alle Beteiligten unglücklich macht. Wir als Menschen können ausziehen und uns eine neue Wohnung suchen – Freigängerkatzen machen das auch oft, die ziehen dann zum Nachbarn. Wohnungskatzen können das nicht und verbringen u.U. den Rest ihres Katzenlebens in Stress und Aufregung. Das haben sie nicht verdient und deshalb bitte ich jeden Tierhalter in einer solchen Situation: Schauen Sie genau hin, beobachten Sie genau und handeln Sie dann so, wie Sie es für sich in Ihrem Leben auch gerne hätten.

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